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So stands im Hamburger Abendblatt

28. April 1961: "Ami6": Frankreichs neuer Schlager

In der Nr. 99 vom 28.04.1961, Seite 18, berichtet das Hamburger Abendblatt:

„Ami 6“: Frankreichs neuer Schlager

Frontantrieb, Plattformrahmen, Plastikdach und Boxermotor mit Luftkühlung sind die wichtigsten Merkmale des „Ami 6“ von Citroen. Der neue Kleinwagenschlager aus Frankreich, über dessen Vorstellung wir bereits berichteten, wird in Deutschland nicht vor Anfang September geliefert. Der Preis wird 5450DM einschließlich Heizung betragen.

Auch der „Ami 6“ ist unkonventionell und fortschrittlich wie alle bisherigen Citroen-Konstruktionen. Die Karosserieform folgt keiner Moderichtung und keinem Stil. Sie ist nur vom Zweck bestimmt.

Nach den vorliegenden technischen Daten ist es ein Kleinwagen mit dem Platz und Fahrkomfort der Mittelklasse. Kleinwagenformat hat der Zweizylindermotor. Bei 600 cem Hubraum leistet er 22 PS. Die Verdichtung beträgt 7,4:1, das maximale Drehmoment 4,1 mkg bei 2800 Touren. An Hand des Wagengewichtes (leer 610 kg, beladen 950 kg) kann man sich ausrechnen, daß die Beschleunigung nicht bedeutend sein wird. Die angegebene Spitzengeschwindigkeit von 105 km/st dagegen ist passabel.

Wie berichtet, hat der „Ami 6“ keine Luftfederung wie die großen Citroen-Wagen, sondern Zentralstahlfedern wie der kleine Monpti. Die Räder sind einzeln an Schwingarmen aufgehängt.

Durch die originelle Stellung des Rückfensters wird der Innenraum gut ausgenutzt. Trotz der geringen Karosserielänge haben auch die Passagiere auf den Rücksitzen Platz für den Hut. Der Fahrzeugboden ist flach. Die Sitze lassen sich herausheben. Da das Reserverad vorn unter der Motorhaube untergebracht ist, nimmt es im Kofferraum keinen Platz weg.

Die vier Gänge des Getriebes sind vollsynchronisiert. Am ganzen Wagen sind nur vier Schmiernippel vorhanden. Der Benzinverbrauch wird mit 5,5 bis 6,5 Liter angegeben.

Der Wagen hat als besondere Neuheit rechteckige Scheinwerfer. Sie sollen eine höhere Lichtstärke besitzen als runde Scheinwerfer des gleichen Durchmessers.

Interessant sind ferner folgende folgende Punkte:

  • aus einem Stück geschmiedete Pleuelstangen,
  • in flüssigem Stickstoff aufgeschrumpfte Kurbelwelle,
  • selbsttätige Einstellung der Lenkung,
  • Schnüffelventil an der Ölwanne zum Absaugen der Öldämpfe,
  • Kreislauf-Ölkühlung,
  • Zündstellung ohne Verteiler.

Die Abmessungen sind folgende: Länge 3885 mm, Breite 1521 mm, Radstand 2393 mm, Spur vorn 1260 mm, hinten 1220 mm, Höhe 1485 mm.

hwb.

28.03.1962: "Ami 6": die Couch auf Rädern

Weich gefedert, aber Straßenlage gut / Auch hinten ist viel Platz

„Ami“ ist französisch und heißt Freund. Mit Freunden kann es manchmal seine Bewandtnis haben. So war es auch zwischen mir und dem Citroen AMI 6. Er wurde nicht so richtig mein Freund. Das sagt sachlich allerdings nichts gegen dieses, wie ich es empfunden habe, etwas halbstarke Auto. Im Gegenteil, es besitzt eine ganze Reihe lobenswerter konstruktiver und fahrtechnischer Eigenschaften.

In dem Bestreben, objektiv zu sein, habe ich versucht, dahinterzukommen, woran es gelegen haben mag, daß wir nicht sonderlich harmonierten.

Vielleicht war ich einfach etwas voreingenommen. Denn schon beim ersten Einsteigen stieß ich mir den Kopf, daß er dröhnte wie ein afrikanischer Tam- Tam. Das war mir bisher noch nie geglückt. Und es blieb nicht das einzige Mal. Hinterlistigerweise sagte ich Freunden und Bekannten, die gern einmal mit dem etwas snobistischen Auto mitfahren wollten, nichts von meinen Erfahrungen. Und siehe da: auch sie bumsten gehörig an.

Möglicherweise verführt das helle, fast waagerechte Kunststoffdach - es sieht aus, als habe jemand ein Tablett auf dem Wagen abgestellt und vergessen wieder wegzunehmen - zur falschen Einschätzung der Türhöhe. Eine andere Tücke: die Regenrinne am Dach hat keine Abflußlöcher. Beim Einsteigen nach den in Hamburg nicht seltenen Regenfällen gab es einen leichten Schwaps Wasser in den Kragen oder auf den Ärmel. Am besten läßt man dann Mitfahrern Vortritt an ihrer Seite.

Der AMI 6 ist gewissermaßen ein größerer Bruder des jetzt Monpti genannten „häßlichen Entleins“. Aus den 598 cem Hubraum holt man 22 PS heraus. Natürlich hat man damit keinen Vollblutrenner unterm Gaspedal. Aber immerhin so mit gut 100 Sachen kann man über die Autobahn rollen. Allerdings röhrt dann der Motor, der im Leerlauf fast unhörbar ist, ganz schön. Die Maschine macht einen zuverlässigen Eindruck. Außerdem scheint sie auch anspruchslos zu sein. Im Durchschnitt habe ich 6.8 Liter auf 100 Kilometer an sie verfüttert. Man kann den Verbrauch sicherlich noch vermindern.

Die Federung ist unwahrscheinlich weich, so daß der Vergleich mit einer Couch auf Rädern gar nicht so abwegig ist. Dieser Eindruck wird noch durch die schaumgummigepolsterten Sitze, in dir man sich richtig hineinsinken lassen kann, verstärkt. Bei längeren Fahrten fühlt man sich allerdings dadurch in der Magenpartie etwas eingeklemmt.

Die Lenkung geht wesentlich leichter, als beim „Entlein“. Aber auf schlechten Straßen in unserer holsteinischen Nachbarschaft spürt man durch die sehr steil (fast wie beim VW-Transporter) angestellte Steuersäule alle Unebenheiten. Wer nicht sonderlich anfällig für Seekrankheit ist, wird der Federung des AMI zweifellos einiges abgewinnen. Sie ist im wesentlichen auf dem Prinzip aufgebaut, wie im 2 CV, also:

Vorder- und Hinterräder auf jeder Wagenseite werden von je einer großen Spiralfeder in Wagenmitte gemeinsam gefedert Diese Feder gleicht die unterschiedlichen Radbelastungen vorn wie hinten weitgehend aus. Hinzu kommen Schwingungsdämpfer an jedem Rad.

Die Straßenlage ist wirklich gut, ebenso das Verhalten in den Kurven. An ein Umwerfen ist trotz abenteuerlicher Schräglage nicht zu denken.

Die Bremsen des vorderradangetriebenen Wagens sind ohne Tadel. Allerdings scheinen sie etwas anfällig gegen Nässe zu sein. Morgens mußte man, wenn der Wagen draußen gestanden hatte, erst etwas „warmbremsen“. Die Bremse verlangt gleich ein kräftiges Zutreten. Mit sanftem Anbremsen wird nichts erreicht.

Der Innenraum ist für einen Wagen dieser Klasse komfortabel. Die auf der Rückbank Sitzenden haben zwar keine gewaltige Kniefreiheit, aber dafür brauchen sie nicht, zu fürchten, sich den Kopf zu stoßen, da das Dach durch das nach rückwärts gestellte Rückfenster genügend Platz bietet.

Äußerlich wirkt die gut verarbeitete Karosserie recht eigenwillig. Der AMI 6 ist gerade das richtige Fahrzeug für jemand, der an Tankstellen und von Passanten gern gefragt werden will: „Was haben Sie denn für ein putziges Auto.“

Autor: Klaus Losch

Technische Daten

Meter: Zweizylinder-Viertakt, Hubraum 598 ccm, luftgekühlt, 22 PS bei 5000 U/Min., Verdichtung 7,4:1, 4,1 mkg bei 2800 U/Min

Getriebe: 4-Gang, vollsynchronisiert. Achsantrieb: Vorderradantrieb (Doppelgelenk) über Teller und Kegelrad.

Fahrgestell: Plattform-Rahmen, Karosserie mittragend.

Preis: 5450 DM ab Köln

Bilduntertext: Auf grundlosen Stormorner Feldwegen bewies der „Ami 6“ seine tadellose Straßenlage. Unten rechts ist die schräge Heckscheibe su erkennen, die den Passagieren hinten im Wagen mehr Kopffreiheit beschert.

erschienen am 28.03.1962

presse-hamburger-abendblatt.txt · Zuletzt geändert: 2009/12/21 09:14 (Externe Bearbeitung)