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Der Ami6 - eine kurze Rückblende

Nach Kriegsende

<imgcaption 2cv1948 left|1948 Citroën 2CV>1948 Citroën 2CV</imgcaption> Die Entstehung des Ami6 geht zurück auf die zweite Hälfte der 50er Jahre. Blicken wir kurz zurück: Die ersten Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs sind auch in Frankreich geprägt durch ein stetiges Wirtschaftswachstum. Nach den Jahrzehnten, in denen ein Automobil eher mit dem Synonym „Luxus“ assoziiert wurde, wird nunmehr auf die Individualisierung des Transports von Mensch und Waren gesetzt.


Der 2CV - ursprünglich entwickelt in den 30er Jahren, 1936 in Vorserie bereits realisiert, aber durch den Krieg in seiner Entwicklung verzögert - wurde 1948 auf dem Pariser Automobilsalon der Öffentlichkeit vorgestellt, und setzt nach anfänglichen Spötteleien ob seiner „Konservendosen-Qualität“ trotzdem sehr bald Maßstäbe für ein komfortables, aber spartanisch-primitives Fahren auf den noch zumeist holprigen französischen Landstraßen. Vielen einfachen Bürgern verhilft die Ente zur individuellen Mobilität und ist bald nicht mehr von den Straßen wegzudenken.

<imgcaption 1955ds19 right |1955 DS 19> 1955 Citroën DS 19, Paris Salon d'Automobile</imgcaption> Mit dem Citroën DS, der „Deesse“, wird 1955 ein erneuter Meilenstein durch Automobiles Citroën präsentiert. Er ersetzt quasi den bis dato sehr erfolgreichen Traction Avant und läutet die modernistische Nachkriegsepoche ein. Das unerhört avantgardistische Design und die sensationelle Technik der Zentralhydraulik, hydropneumatischen Federung und halbautomatischen Schaltung setzen Maßstäbe im Olymp des Automobilbaus. Allerdings sind auch die Preise der „Göttin“ dementsprechend astronomisch. Über sie schrieb der deutsche Schriftsteller Alexander Spoerl: „Dies ist nicht das Auto von morgen. Es ist von heute. Die anderen sind von gestern.“


Zwischen den beiden Modell-Extremen klafft Mitte der 50er Jahre eine große Lücke, die es zu schließen gilt. Die potentiellen Käuferschichten sind mittlererweile etwas anspruchsvoller geworden. Man verlangt nach etwas mehr Luxus und Komfort - der aber noch bezahlbar bleiben soll. Die anderen französischen Automobilhersteller haben bereits reagiert. Renault und Peugeot, die Erzrivalen, bieten bereits komfortable Modelle der Mittelklasse u.a. mit der Dauphine bzw. dem 203 an. Und wo bleibt Citroën?

Die Konkurrenz ist da. Wo bleibt Citroën?

<imgcaption bercot01 left | Pierre Bercot>Pierre Bercot</imgcaption> Unter der Regie des Generaldirektors und späteren Vorstandsvorsitzenden von Automobiles Citroën, Mr. Pierre Bercot, wird ein Pflichtenheft definiert, das bestimmt wird durch einen großen Kofferraum, optimaler Raumausnutzung, einer maximalen Länge von 4 Metern, und ohne Verwendung einer 5. Türe - Bercot hat nämlich eine Abneigung gegen Transportfahrzeuge (heute würde man sagen: Kombis).


Es gilt, eine Limousine für Familie und den bürgerlichen Mittelstand zu definieren, um dem allmählich aufkommenden Wohlstand ein automobiles Pendant entgegen zu stellen - aber hier passt sicherlich kein weiterer Lastesel!

Ein ausführliches Kapitel widmet sich dem Design des Ami6.

Montag 24. April 1961: offizielle Vorstellung des Ami6 für die Presse

Auch wenn bereits Ende März 1961 die ersten Pressephotos und eine Presseerklärung veröffentlicht werden, so ist der große Tag doch einige Wochen später. Am 24. April wird auf dem Regional-Flughafen von Villacoublay südlich von Versailles der Citroën Ami6 den Journalisten vorgestellt, zeitgleich zu weiteren europäischen Präsentationen u.a. in Köln, Amsterdam, Brüssel, Genf und Mailand.

<imgcaption proto02 left|Prototyp Nr. 3, 1960> Prototyp No. 3, Ami6 1960</imgcaption>

Werfen wir einen genaueren Blick auf die Photos - zunächst die Vorserien-Modelle.

Beim hier gezeigten Prototyp Nr. 3 fallen zwei wesentliche Designmerkmale auf, die bei den späteren Serienmodellen nicht mehr vorhanden sein werden: Über die gesamte Vorderseite der Front werden zwei Aluminium-Streifen in Höhe der Blinker geführt. Was stilistisch sehr schön wirkt, ist in der Praxis untauglich für einen Stoßstangenbereich: Die Streifen brechen trotz stabilisierenden Streben in der Mitte und halten eine Last z.B. beim Gegenlehnen oder gar Touchieren nicht aus. Bei den Serienmodellen wird daher an dieser Stelle ein in die Frontstoßstange integrierter bügelförmiger Stoßfänger die auftretenden Kräfte abfangen.

Darüber hinaus befindet sich auf der Motorhaube noch ein Doppelwinkel, den Bertoni später wieder entfernen läßt, weil er zu dominant das vordere Fahrzeugbild prägt.

Übrigens - bei genauerer Betrachtung ist der Ami6 das einzige Citroën-Modell bis zu diesem Zeitpunkt, bei dem der Doppelwinkel an keiner äußeren Stelle am Fahrzeug sichtbar ist! (Die späteren Modelle des Ami6 ab Baujahr 09/1967 werden im Kühlergrill einen stilisierten Doppelwinkel tragen.)

Auf den Pressebildern erkennt man sowohl die spätere Front der Serienmodelle als auch die der Vorserien-Modelle, die den wartenden Journalisten präsentiert werden.

(Fortsetzung folgt…)

29. April 1961: "Paris Match" zeigt erste Bilder

<imgcaption parismatch01 left|Paris Match, Ausgabe vom 29. April 1961> "Paris Match", Ausgabe vom 29. April 1961</imgcaption> Die französische Illustrierte „Paris Match“ zeigt in ihrer Ausgabe vom 29. April 1961 die ersten Bilder vom bis dato noch nie in der Öffentlichkeit gesehenen Ami6. Seit drei Jahren wurde über dieses Auto spekuliert, und nunmehr kann die Neugierde der Öffentlichkeit erstmals befriedigt werden - hier ist er also!


In dem kleinen Ort Nogent-le-Roi (1420 Einwohner), rund 78 km von Paris entfernt, wird der Ami6 aus dem Bauch eines Transport-LKWs entladen. Gleich schart sich eine Gruppe Neugieriger um dieses Auto, denn es ist bislang nur rund 40 Eingeweihten möglich gewesen, überhaupt einen Blick auf dieses sehr geheim gehaltene Modell zu werfen…

...bis zum Ende ein "Millionen-Seller"

<imgcaption u23transport left|U23 Sattelzug mit Ami6></imgcaption> Von April 1961 (ohne Vorserien-Modelle) und bis September 1969 produziert, und in den offiziellen Verkaufslisten bis Juli 1971 geführt, werden insgesamt 1.039.384 Exemplare des Citroën Ami6 hergestellt.


Die Kombi-Version (im französischen „Break“ genannt) verkauft sich übrigens besser als die Limousine („berline“):

Den 555.398 gebauten Breaks stehen „nur“ 483.986 Limousinen gegenüber.

Detailliertere Infos zu Produktionszahlen und Fahrgestellnummern finden sich im entsprechenden Kapitel.

geschichte.txt · Zuletzt geändert: 2009/12/21 09:13 (Externe Bearbeitung)